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ErnährungErnährung in Deutschland: Zu oft bleibt die Küche kalt

(Gesunde) Ernährung von Kindern und Jugendlichen
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Oliver
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Ernährung in Deutschland: Zu oft bleibt die Küche kalt

Beitragvon Oliver » Do Sep 06, 2012 3:50 pm

Ernährung in Deutschland: Zu oft bleibt die Küche kalt

„Heute bleibt die Küche kalt“ – der Werbeslogan einer Imbisskette aus den 70er Jahren beschreibt
inzwischen den Alltag in vielen Haushalten. Aber eine warme Mahlzeit täglich sollte es
schon geben, da sind sich die Experten einig
Zwar zeigen Umfragen, dass sich die Bundesbürger verstärkt Gedanken um eine gesunde Ernährung machen,
doch bei der Umsetzung in den eigenen vier Wänden hapert es gewaltig.
Dabei bestätigen Experten, dass nicht unbedingt Trägheit das Problem ist: Gerade berufstätigen
Singles fehlt oft eher die Zeit zum Kochen – oder es mangelt schlicht an den einfachsten Kochkenntnissen.
Essen und Trinken seien für die meisten Menschen im Alltag längst zur Nebensache geworden,
heißt es in der Studie „Neue Food-Trends und Typologien“ des Zukunftsinstituts in Kelkheim (Hessen):
„Ein Snack zwischen zwei Terminen oder während der Tagesschau, eine Pizza in der Besprechung oder
neben dem Check der aktuellen Mails“ sei oft die Regel, schreiben die Trendforscherinnen Anja Kirig und
Hanni Rützler.


Der Alltag: Schnellimbiss und Tiefkühlpizza
Inzwischen isst ein Viertel aller Bundesbürger täglich außer Haus, wie aus dem Familienbericht der Bundesregierung
von 2006 hervorgeht. Die Zahl hat sich damit im Vergleich zu 1990 mehr als verdoppelt.
Vor allem 20- bis 25-Jährige sowie erwerbstätige Männer und Frauen essen in der Mensa, der Kantine, im
Restaurant oder Schnellimbiss.
Wer dennoch zu Hause isst, kocht deswegen noch lange nicht selbst: So verdoppelte sich nach
Zahlen des Deutschen Tiefkühlinstituts zum Beispiel von 1996 bis 2006 die Zahl der verkauften Tiefkühlpizzas.

Der Rat: Einmal täglich warm

Mancher verzichtet auch tagelang völlig auf warmes Essen und ernährt sich ausschließlich von Brot,
Snacks oder gar Kartoffelchips. Dabei sind sich die Experten einig, dass mindestens einmal täglich eine
warme Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen sollte: „Morgens, mittags und abends Butterbrot – das ist viel
zu einseitig“, sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Warme
Mahlzeiten erhöhten die Vielfalt: „Man schafft es besser, sich mit einer Vielzahl von Nährstoffen zu
versorgen.“

Doch auch, wer sich ausschließlich von gesunder Rohkost ernährt, sollte auf gekochte Speisen
nicht verzichten. „Manche Nährstoffe werden beim Erhitzen erst aufgeschlossen“, erläutert Ernährungsexpertin
Restemeyer. Das gelte beispielsweise für das in Möhren enthaltene Beta-Carotin oder das Lycopin
in Tomaten.


Die neue Welle: Kochen ist „in“

Zugleich beobachten die Trendforscher aber auch, dass Kochen an sich keineswegs „out“ ist. „Private
Kochevents im Familien- und Freundeskreis erfreuen sich ebenso zunehmender Beliebtheit wie die Teilnahme
an Kochkursen“, heißt es in der Food-Studie des Zukunftsinstituts. Auch Gourmetreisen, Erlebnisrestaurants
und schließlich eine Fülle von Koch-Shows im Fernsehen belegen den Autorinnen zufolge ein
sogar gestiegenes Interesse am Essen. Allein: Da inzwischen auch die meisten Frauen berufstätig sind,
fehle vielen Menschen die Zeit: „Weniger Zeit zum Einkauf, zum Kochen, zum Essen.“

Der kritische Blick: Fertiggerichte im Visier
Ein Ausweg, den viele Menschen im Alltag wählen, ist der Kauf von so genanntem Convenience Food, also
vorgefertigten Mahlzeiten aus der Dose oder Tiefkühltruhe. „In 90 Prozent aller Haushalte kam an mindestens
einem von drei Tagen ein Convenience-Produkt auf den Tisch“, sagt Ute Alexy vom Forschungsinstitut
für Kinderernährung (FKE) in Dortmund und beruft sich dabei ebenfalls auf eine aktuelle Studie.
Zu diesen Produkten gehören Konserven und Suppen genauso wie Instantsuppen, Tiefkühlpizza, Rahmspinat
oder paniertes Fleisch.

Über einen Kamm scheren lassen sich die Fertiggerichte und vorbehandelten Nahrungsmittel nicht
– zwischen der Aufbackpizza und dem vorgeschnittenen Salat liegen Welten. So sei Tiefkühlkost im Prinzip
kein Problem: „Wenn ich frische Möhren mehrere Tage lang im Kühlschrank lagere, dann haben sie
sogar weniger Vitamine als tiefgefrorene Möhren“, sagt Restemeyer. Problematischer seien jedoch fertig
vorbereitete Gerichte, insbesondere solche mit Soßen.
„Im Durchschnitt sind Convenience-Produkte energie- und fettreicher“, sagt Ernährungsforscherin
Alexy. „Der Kaloriengehalt pro 100 Gramm liegt oft höher als das, was wir empfehlen.“ Auch enthielten
Fertiggerichte viele Geschmacksverstärker und Aromastoffe. „Die Kinder lernen dann den natürlichen
Geschmack von Lebensmitteln gar nicht mehr kennen.“

Der Kompromiss: Gesundes dazu nehmen

Im Alltag gibt es dennoch zahlreiche Kompromissmöglichkeiten. „Wenn ich schon eine Minutenterrine
zubereite, sollte ich wenigstens ein Vollkornbrötchen essen und zum Nachtisch einen Apfel“, rät Ute Alexy.
Eine Fertigpizza könne zusätzlich mit frischem Gemüse belegt werden, bevor sie in den Ofen kommt.
Auch sollte bei „Fix-Gerichten“ die Sahne im Rezept durch Milch ersetzt werden und die Crème fraîche
durch saure Sahne.

Und schließlich sollte laut Restemeyer wenigstens das Wochenende dazu genutzt werden, um
gemeinsam zu kochen.

(dpa/GesundheitPro vom 31. August 2007)



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